Gott hat mit den Menschen… einen unwiderruflichen Bund geschlossen… In diesem Bund ist Platz für jede menschliche Erfahrung, nicht nur für die guten und schönen…
Abraham, sofern wir ihn als reale Gestalt verstehen, war sicherlich ein Mann großen Glaubens.
Er war aber auch ein Mann großer Grausamkeit und Ungerechtigkeit. Er war bereit, seinen Sohn eigenhändig zu töten. Sein Umgang mit der Dienerin seiner Frau, mit der er via Ehebruch einen Sohn gezeugt hatte, spricht gegen ihn. Er hat eiskalt die Frau mit dem Kind in die Wüste geschickt - in den sicheren Tod.
Ein Glaubensheld? ??? Helden/Vorbilder sehen für mich anders aus…
Hallo tergram,
aber vielleicht ist das gerade gemeint in dem Nachsatz
“In diesem Bund ist Platz für jede menschliche Erfahrung, nicht nur für die guten und schönen…”
erst durch eine gute alte Freundin wurde mir richtig bewußt, dass die Bibel uns Geschichten von Menschen auch MIT ihren Schattenseiten erzählt, dass macht sie uns so nah … sie kämpfen mit den Dingen, mit denen wir auch kämpfen …
Allerdings habe ich lange Heldengeschichten gehört, die die Schattenseiten nicht ausleuchteten. Aber dieses “TrotzalledemJA” Gottes zum Menschen und seinem Bund hat doch was …
auch wie Gott Hagar eine Quelle sehen läßt, eine neue Perspektive schenkt mit ihrem Sohn zu überleben …
Buona Notte
Deine Uli
Eine Heldengestalt wäre für mich eine, die es wagte, diesem unverständlichen Gott die Stirn zu bieten.
Ein Abraham, der zu Gott sagt “Nein, ich werde Hagar nicht in die Wüste schicken. Ich werde für sie und das Kind sorgen. Nein, ich werde meinen Sohn nicht töten. Du gabst mit ein Herz und eine Seele - nun wundere dich nicht, wenn ich beides benutze.”
Was wäre das für ein Held!
Gute N8! ![]()
Mit Abraham hatte ich schon immer Schwierigkeiten. ![]()
Ein Vater der bereit ist sein Kind zu schlachten!!!
Als ich ein wenig über diesen Typ googelte fand ich dies:
http://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Abraham.htm
Sehr spannend wie ich meine.
Liebe tergram,
nicht Gott schickte Hagar in die Wüste, sondern Abraham. Sarah wollte Hagar erst sozusagen als “Leihmutter”, aus Eifersucht überredete sie Abraham dann aber später, Hagar mit ihrem Sohn in die Wüste zu schicken.
Gott stand Hagar und ihrem Sohn bei, was Abraham nicht tat.
Nur mal so angemerkt ![]()
Ich finde Abrahams Lebensgeschichte spannend, weil er im Glauben eben auch Höhen und Tiefen erlebt, wie fast jeder Christ.
In der NAK hörte man meistens nur die Heldentaten, die Zweifel dieser “Glaubenshelden” fielen in den Predigten mehr oder weniger unter den Tisch.
Das hält den Gläubigen immer schön klein, wenn er/sie denn ein Zweifler ist.
So nach dem Motto, warum kann ich nicht so glauben wie der und der …
Ich armer Wurm ich ![]()
Die Meßlatte halt immer schön hoch halten, damit man nicht übermütig wird.
Liebe Grüße
Gaby
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steppenwolf schrieb:
Ich bin mir nicht sicher, ob wir an diese ganze Geschichte unsere Meßlatte der Beurteilung anlegen dürfen - das damalige Gottesbild war sicherlich ein anderes, als wir es haben
Das ist für mich zur Zeit ein ganz wichtiger Punkt. Das wandelbare, gewandelte Gottesbild. Damals, heute und in Zukunft, also zeitgbunden und somit nicht konstant und verlässlich. Besteht, bestand dieses, somit nicht wertfreie Gottesbild, emotional abhängig immer nur in den Köpfen der Menschen um Urängste zu binden? Ist Gott nur eine Einbildung bzw. Wunschvorstellung?
Das Gottesbild der Menschen ist sicherlich immer (auch) ein Spiegelbild der gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen Gegebenheiten und Umstände.
Daher tue ich mich schwer mit den alten Geschichten aus der Bibel (mal abgesehen davon, dass ich von der tatsächlichen Existenz der einzelnen Gestalten nicht überzeugt bin und die Begebenheiten eher für Gleichnisse halte).
Der Gott des alten Testaments ist für mich weitgehend unverständlich: Ein brummig-zorniger alter Mann, der je nach Tagesform, Lust und Laune mit seinen Geschöpfen umspringt und im Zweifel die Existenz des Menschen in einer lustigen Wette mit dem Teufel verzockt (Hiob) - es fällt mir schwer, diesen “alten” Gott ernst zu nehmen, ihn gar als Vater anzusehen.
Vorteil allerdings: Der alte Gott sprach gelegentlich direkt mit den Menschen bzw. gab sich durch interessante Spielereien, wie Feuer- und Rauchzeichen, zu erkennen.
Nein, mit diesem alten Gott kann ich in meinem Leben nichts anfangen.
Stellt sich die Frage: Wie ist Gott wirklich?
Wirklichkeiten Gottes:
„Gott“ strebt einerseits dahin, zu sein, wie man will, dass er sei.
„Gott“ strebt andererseits dahin, zu sein, wie man hört, dass er sei.
Zum dritten strebt „Gott“ dahin, so zu sein, wie er ist, wenn man denkt, ihm begegnet zu sein.
Der Begriff „Gott“ existiert.
Dieser Umstand ist als Wirklichkeit festzuhalten.
Und Gott offenbart sich jedem so, wie wir dies in unserem Herz zuzulassen bereit sind. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wäre das nicht ein Schlag ins Gesicht für die, die suchen und nicht finden?
die die Tür, Brücke ins schützende Glaubensgebäude nicht entdecken?
Es für eine Illusion halten, weil es nicht trägt, wärmt, schützt?
Für Suchende fürbitt
Dieter,
dieses „Zulassen“ kann man sagen, wenn man eine gewisse Offenbarung Gottes erfahren hat, und diese auch für andere Personen als erfahrbar denkt.
Ich glaube nicht, dass dem so ist. „Zulassen“ impliziert die Erfahrungsmöglichkeit einer Wirklichkeit Gottes, die als allgemeine Wahrheit gedacht wird, als über die bisher erlangte persönliche Erkenntnis hinausragende höhere Stufe. „Du erfährst Gott nicht, weil du es nicht zulässt.“ – ist eine nicht legitime Schuldzuweisung.
Richtiger finde ich: „Du erfährst Gott so, wie du ihn erfährst – nicht mehr und nicht weniger.“ Ich kann nicht wissen, wie meine Vorstellung von Gott von anderen Personen erfahrbar ist oder inwiefern diese die Möglichkeit haben „Gott“ zuzulassen.
sinnier
ich glaube, dass es ganz viele Gottesbilder gibt, wie Facetten …
Bei denen, die die Vätergeschichten, auch Abram niedergeschrieben haben
und auch allen anderen Texten der Bibel, die die Handschrift des Niederschreibenden tragen = sein Gottesbild, seine Erfahrungnen und Gottesnamen.
Beschreibungen des Lebens mit einem Gott, dessen Namen das Volk nicht kann, dessen Angesicht es nicht ertrug … (Mose)
und der später in Jesus eine für uns nachvollziehbare, spürbare menschliche Dimension bekam, die uns erlaubt, ihn als liebenden, vergebenen Vater zu sehen … (z.b. Gleichnis “verlorener” Sohn)
mitsinnier …
… und dennoch verbindet die vielen Menschen der Drang, dem großen Geheimnis einen Namen zu geben. Ist das nicht schon Wirklichkeit genug?
Weiterhin gibt es manchmal diese Augenblicke, wo man etwas wahres spürt, das man sich nicht erklären kann, das dennoch von mehreren Menschen gleichzeitig geteilt und empfunden wird. - Dann ist Gott so. Aber nicht nur so, und bei weitem nicht immer so …
Ich glaube inzwischen - und jeden Tag mehr - dass Gott genau so ist, wie ich bin! Und auch so wie Du bist! Und alle anderen! Er wird immer eine Projektion des einzelnen Menschen sein!
Ansonsten halte ich mich (wie immer gerne) an Rainer Maria Rilke:
Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht und sagt ich bin.
Ein Gott, der seine Stärke eingesteht, hat keinen Sinn.
Du musst wissen, dass dich Gott durchweht seit Anbeginn,
und wenn dein Herz dir glüht und nichts verrät,
dann schafft er drin.
Hoffentlich!
@ autor: Das wollte ich eigentlich mit meinem Beitrag sagen. Hannes hat es etwas besser als ich auf den Punkt gebracht.
Gott kann doch für den inzelnen nur so sein, wie der Einzelne ihn auch be-greifen kann, ihn verstehen kann. Deshalb kann das jeweilige Gottesbild immer nur die Denkweise und Kultur dessen widerspiegeln, der sich Gott grade vorstellt. Wie Uli schon sagte: Facetten. Und diese Facetten, so schön sie sein mögen, sind immer nur ein bestenfalls begrenztes Bild, je nachdem, wie das Licht darauf fällt, oder auch nicht. Von der Natur des ganzen Edelsteins sagt das noch wenig oder über die Natur dessen, was diesen Edelstein geschaffen hat oder wozu er gut ist.
Das ganze Bild ist immer noch etwas größer und komplexer als die Summe seiner Einzelteile…
Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
Und die, so dich finden, binden dich
an Bild und Gebärde.
Ich aber will dich begreifen
wie dich die Erde begreift;
mit meinem Reifen
reift dein Reich.
Ich will von dir keine Eitelkeit,
die dich beweist.
Ich weiß, dass die Zeit
anders heißt als du.
Tu mir kein Wunder zulieb.
Gieb deinen Gesetzen recht,
die von Geschlecht zu Geschlecht
sichtbarer sind.
Rainer Maria Rilke, 19.9.1901, Westerwede
Woran hatte nun Abraham seinen Gott gebunden? Er hatte nichts anderes als dessen Wort: „Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“ (1.Mose 10, 1)
Abraham ging…
Das jeweilige Gottesbild. Das ist der Tenor. Was heißt das? Ich bilde mir Gott (ein)? Hängt das von meinem mentalen Zustand ab, meiner Phantasie, meiner Intelligenz, meiner Einbildungskraft? Bilde ich mir Gott in meiner Psyche (ein)?
Ist er nicht, der er ist, wenn er ist?