DEPRESSIONEN...

DERESSIONEN – WOHER KOMMEN DIE…?

Lieben Freunde,
ein nationaler und internationaler Spitzensportler hat sich umgebacht. Nach 24 Stunden wird öffentlich, dass dieser Mann seit Jahren schwer depressiv war. Die Öffentlichkeit reagiert mit Entsetzen und Sprachlosigkeit. Im Trauergottesdienst wird gesagt: „Du gehst deinen Weg niemals allein.“

Er ist seinen Weg, erst recht bis zu dem Gleisbett bei Hannover, nicht allein gegangen. Der Fahrer des heranrasenden Triebwagens sah ihn mit Panik vor sich und hatte doch keine Chance. Sein tonnenschwerer Zug hat den Mann totbringend überrollt und zerfetzt. Danach mussten Nothilfe leistende Einsatzkräfte ihre grausige Arbeit tun…

Im Fernsehen sieht man danach im Trauergottesdienst und im anschließenden Trauermarsch fassungslose Sportfreunde und Fans des Selbstmörders. Weinende Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie sind wie gelähmt. Niedergedrückt.

Depression meint: Niedergedrückt sein (deprimere). Frage: Wer drückt wen womit nieder? Warum lässt sich jemand wovon und von welchen Lebensumständen in eine Ausweglosigkeit wegdrücken?

Wir haben in unserem Forum ja auch einige Sachverständige. Was sind Depressionen und was kann man dagegen tun, außer, sich vor dem vermeintlich letzten Schritt in eine Selbsterlösung zu flüchten?

Nach dem was ich über die seit Jahren fortschreitende Zunahme des Krankheitsbildes Depressionen, abgestuft in verschiedene Stadien, erlebt, gehört und gelesen habe, hängt diese Entwicklung mit einem zunehmendem Druck zusammen, der auf uns Menschen ausgeübt wird. Ich ahne, dass dieser Druck, in allen Lebensbereichen, demnächst überall weiter zunehmen wird.

Brauchen wir massenhaft mehr Psychologen, Psychiater, Psychiatrien, flächendeckende Versorgung mit Antidepressiva – oder was wird gebraucht? Vielleicht brauchen wir auch nur wesentlich weniger Druck – von wem der auch immer ausgeübt wird.

Ein Dampfkessel hält nur so viel Druck aus, wie seine Wände geschmiedet wurden. Unsere Seele scheint wesentlich dünner zu sein als die Wände eines stählernen Druckkessels. Und wenn dann auch noch das Überdruckventil versagt, dann knallt´s! Dann werden von den herumfliegenden Trümmern meist auch noch völlig Unbeteiligte verletzt.

Die Leute in der ehemaligen DDR hatten irgendwann die Schnauze voll. Sie haben das verstopfte Überdruckventil freigepolkt und eigenhändig gründlich Dampf abgelassen. Ich nehme an, dass sich das demnächst hier und da immer häufiger wiederholen wird…

Liebe Grüße, landauf und landab, vom Micha

Danke Micha für den Einstieg,
wollte eigentlich ein wenig abwarten, bis das Thema Enke abgeflaut ist. Mir geht es eigentlich mehr um den Nächsten, Verwandten, FreundIn, Nachbarn, aber auch um Kinder von Prominenten.
Aber das Stichwort Ventil ist auch in dem Zusammenhang wichtig, wohl noch eher aber Ablenkung und Umlenkung.
Wenn wir es schaffen, sollten wir mal herausarbeiten, wie Glaube bei der Bewältigung helfen kann und wo es die Katastrophe herbeiführt oder unterstützt.
Mit den Ventilen bist du wahrscheinlich Berlingeschädigt. Ich war neulich da. Da gibt es ja fast täglich um die Goldelse herum oder an anderen prominenten Orten angekündigte Demos. Berlin ist mit Sicherheit auch die Hauptstadt der Demos.
Du kannst da nichts für und ich mag die Stadt auch sehr. Aber so ist eben Demokratie.

Ich fang mal an: Hohe Ansprüche wird oft genannt, und damit verbunden ein zeitweises Scheitern. Kann ich bestätigen, habe ich bei den bekannten Fällen mit festgestellt.

LG, Heidewolf

Lieber Micha (und Heidewolf),

ich bin kein Sachverständiger - aber ich kenne Depressionen (innen und aussen) …

Depression ist erst einmal eine Krankheit - die wie alle anderen Krankheiten einfach mal so kommen kann. Bei manchem ist es Rheuma, das es mitbekommen hat, beim anderen ist es die Haut, bei manchem ist es die Psyche. Da hat man etwas mitgekriegt und irgendwann sind die Umstände so, dass da etwas “ausbricht”.

Depressionen sind mit einer unendlich großen Scham belegt. “Hab dich doch nicht so”, “mach dir doch keine solchen Gedanken”, “geh doch mal auf die Krebsstation, da bist du danach wieder ganz zufrieden”, und so fort … es können viele Menschen, die mit einen depressiven Menschen umgehen (müssen, da Familie oder Kollege), mit dieser Krankheit eben nicht umgehen und sagen dann verständlicherweise solche Sätze … was für den Depressiven dann richtig blöd ist. Denn er/sie kann ja eben nichts machen, weil die Schaltzentrale ausgeschaltet ist.

Depressionen öffentlich zu machen ist fast schon Selbsttötung. Man verliert auch heute noch sehr oft seinen Job, damit sein Ansehen und damit auch (s)einen letzten Anker (Anerkennung, Status, …). Man verliert u.U. seinen Partner und die Familie, Freunde gehen weg. Gerade in der heutigen wir-müssen-alle-so-glücklich-und-erfolgreich-sein-Gesellschaft.

Und dann ist da noch die Behandlung … sagt doch einmal jemand laut: Hört mal ihr, ich gehe zu einem Psychiater … Schublade auf - rein damit - Schublade zu …

Welche Behandlung und welcher Behandler ist dann noch die Frage, die sich nicht stellt, weil man genau dort erkrankt ist, wo solche Entscheidungen gefällt werden - normalerweise …

Das nur kurz mal so dahingeschrieben …

Hannes

hallo micha,

ich glaube, viele von uns hier (in den industriestaaten, die nicht umsonst so heißen, vgl. lat. industria: betriebsamkeit, fleiß) leben unter einen immerwährenden leistungsdruck. der beschränkt sich längst nicht mehr auf die arbeitsstelle, sondern verfolgt uns in die familien (gute eltern bzw. ehepartner sein) oder sogar bis in’s bett. das ist umso mehr der fall, wie man im licht der öffentlichkeit steht.

es würde uns gut tun, manches etwas lockerer zu sehen. warum geht das nicht?

ich möchte mal zur diskussion stellen, inwiefern das auch an der protestantischen arbeitsethik bzw. am biblischen verständnis von segen liegen kann. siehe dazu den aufsatz von max weber, wozu wikipedia ein paar infos hat.

mfg, _

Volkskrankheit Depression

…»Die meisten psychischen Erkrankungen sind auf eine Region im Gehirn begrenzt«, sagt Mathias Berger, ärztlicher Direktor der Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Freiburg… …Die Depression hingegen ist eine Erkrankung des gesamten Gehirns.«

…[=> Bezirksapostolische Selbsthilfegruppe]…

Meist drücken wir uns doch selbst nieder und/oder erdrücken uns selbst mit unseren Erwartungen an uns selbst und andere. Wie du sagst: dann muss ein Ventil her. Aber wie kann das aussehen?
Ich habe mittlerweile mehrfach im Freundeskreis die Erfahrun gemacht, dass Psychologen und-therapeuten dann gerne hingehen und demjenigen sagen, er/sie solle sich doch mehr auf sich und seine Bedürfnisse konzentrieren und diese verstärkt anmahnen. Darüber aber können Freundschaften und Beziehungen in der Familie ganz schnell zerbrechen. Was dann wieder zu verstärkten Depressionen führt.
Vielleicht sollte das Ventil besser ein anderes sein? Offen sein für den Nächsten, für seine Bedürfnisse, weg von zu viel Selbstreflexion, von zu viel Bauchnabelschau. Dabei soll man sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse keineswegs vernachlässigen, oh nein. Aber wer immer nur die eigene kleine Welt sieht, ist geneigter, darin zu ertrinken als der, der sieht, dass es noch andere Menschen und andere Probleme gibt und dadurch vielleicht lernt, sich selbst nicht ganz so über-wichtig, sich selbst in Relation zu anderen und damit eben…nicht allein zu sehen.
Und wer noch andere Menschen und ihre Bedürfnisse beachtet, der wird feststellen, er wird gebraucht. Wer gebraucht wird, der hat schon wieder einen Teil Sinnhaftigkeit in seinem Leben.

Die Ursachen der Depression sind bis heute unbekannt. Meist müssen mehrere innere und äußere Einflussfaktoren zusammenkommen, damit die Krankheit entsteht. Neben einer genetischen Veranlagung spielen auch psychosoziale Aspekte eine Rolle.

Hier
ein sehr informativer Artikel über diese Krankheit.

Es ist sehr schwer eine Depression, den Depressiven zu verstehen, eben weil man die äußeren Umstände in denen der Kranke lebt, oft nicht negativ einschätzt und hier einen Zusammenhang sucht. Demzufolge kann es lange dauern, bis man begreift, dass es ein vorwiegend endogenes Geschehen ist, das kaum oder gar nicht von Äußerlichkeiten abhängt, habe ich in meinem Umfeld beobachtet.

Guten Morgen Tatyana,

recherchiere doch mal sorgfältig (!) zum Thema “Depressionen” im Internet und verfolge ggfls. die aktuellen Diskussionen mit Fachleuten (!) und dann versuche noch einmal etwas dazu zu schreiben. Denn das was Du soeben geschrieben hast ist, wie wir in Bayern sagen, “a Schmarrn”.

Du machst nämlich genau das, was die scheinbar allwissenden - aber leider völlig ahnungslosen - Kirchenmenschen gerne machen: Du verwechselst Äpfel mit Drehmomentschlüssel … und das ist gefährlich!

Gruss - Hannes

… :blush:

siehe auch hier: Klick

In dem Artikel ist sicher ein wichtiger Aspekt, aber dennoch erheblich zu kurz geschossen. (Aber der Artikel heißt ja auch “Enke” und nicht “Depressionen”).
Bei der “Diktatur des Glücks” liegen Variablen zugrunde.
Bei der Depression sieht das Ganze schon erheblich anders aus.

Egal wie dieser Satz im Artikel hier stilistisch gemeint ist, er ist verräterrisch in Bezug auf eine zynisch gewordene hedonstische Gesellschaft:
“Die Menschen müssen natürlich mit Späßen an dieses Thema herangeführt werden, schließlich ist es ein ernstes.”

Humor kann an dieser Stelle schon sehr sinnvoll sein. :wink:

Ich habe auch den Eindruck, dass die -zunächst depressiven Verstimmungen- zu lange getarnt vor sich hin schlummern, bevor Kranke bereit sind, sich in Behandlung zu begeben.
Diese Schatten im Leben werden anfänglich als ‘nicht gut drauf sein’ etc. deklariert und auch die Umgebung diagnostiziert schlechte Laune, schlechtes Befinden usw. und so kann sich die Krankheit manifestieren.
Evtl. wird die Einsicht auch durch die Krankheit selbst erschwert.

Hallo,
in dem Artikel eben ist eine Ursache genannt worden: ANGST

Tritt nebenbeigesagt oft auch bei dementen Menschen auf.

In der deutschen Gesellschaft wird viel mit Angst gearbeitet, ist mein Eindruck. Auch die Angst, wertlos oder besser gesagt minderwertig zu sein ist oft ein Auslöser oder Verstärker. Passt ja auch zu dieser Leistungsgesellschaft.

Dabei ist Loben so wichtig. Lernen schon Eltern, um ihre Kinder zu erziehen.

Später, im Erwachsenenleben, so sagt man heute, ist es wichtig, die Balance zu finden.
Wer oder was kann einem dabei helfen.

  • Echte Freunde
  • Entspannung und Mentalübungen
  • Ventile

Und welche Rahmenbedingungen braucht der Mensch dazu?
Ein intaktes Umfeld und Vorbilder und Anleiter in, ich nenne es mal Sozialethik.
Wir wissen alle, dass gerade daran in unserer Gesellschaft ein Mangel besteht.

Hier seinen Weg zu finden bedeutet aber auch, nicht nur Nörgler zu sein oder Superfrau oder Mann. Fehlentwicklungen zu benenen, aber nicht daran stehen zu bleiben, eben nur um daran vorbeizugehen.
Gute Dinge zu zeigen und sich dahin zu bewegen.

Ich denke auch, das der Leistungsgedanke kanalisiert werden muss im setzen von realistischen Zielen und Zwischenzielen. Und der Portion Flexibilität, die das Leben nicht zum Streß werden lässt.

So, das hört sich jetzt ziemlich theoretisch an, aber anhand praktischer Beispiele kann Frau/Mann das ja einfach mal durchdenken.

Das Leben ist nicht mehr nur schwarz/weiss; und das ist auch oftmals gut so.
LG, H

Liebe Anne,
ist das Buch gut?
LG, H.

Hallo Heidewolf,

und nicht nur “in der Gesellschaft” wird mit Angst gearbeitet - gerade auch in Kirchen ist das aber doch oft auch das Thema. Angst und Macht. Wo es doch eigentlich Liebe(volle Ermahnung) und Freiheit (in …) sein sollte …

Hannes

Heidewolf, ich habe mich bisher erfolgreich davon abhalten können, es zu kaufen, weil die Liste der “ich-brauche-die-unbedingt-Bücher” schon so ungeheuerlich ist. :wink:

Ich habe allerdings ein paar Reaktionen von Betroffenen erlebt und die sprachen sehr dafür.

LG Anne

Lieben Freunde,
in unserem medienbeherrschten Gemeinwesen braucht es nur wenige Tage, bevor die allgemeine Sprachlosigkeit nachlässt und eine menschlich verständliche Betroffenheit in Resignation abebbt. Dann hört man über Nacht auch solche Vokabeln wie diese hier: Ergriffenheitsbededürfnisse, Erregungsgemeinschaft usw..! Da wird anhaltend nachdenkliche Schweigsamkeit in Hinterzimmer weggedrückt, mit vorgeblichen Sachverständigenäußerungen überstimmt und als schwächelnde Weinerlichkeit abgetan.

Nein, 80 Mio. Menschen kann niemand auf einen Schlag therapieren oder wenigstens zum Umdenken bewegen. Wer ist gesund? Wer ist krank? Wer ist zu behandeln und wer braucht keine Behandlung mehr? (Lb. Gruß an Frau Anne). Einer sagt: „Es muss ja weitergehen.“ Recht hat der. Man möchte ihn allerdings fragen: „Wie bitteschön?“

Die Angst eines Torwarts, unmittelbar vor dem Elfmeterschuss, kann nur einer verstehen, der mal im Tor stand. Der zu Tode gekommen Hannoveraner von 96 stellte sich einem auf sich zurasenden Eisenbahnzug. Er hatte keine Chance den zu fangen oder wenigstens über die Seitenlinie ins Toraus abzulenken. Er war gefangen. Worin auch immer…

Nach meinem Eindruck gibt es in unserer Gesellschaft, auf vielen Ebenen, noch ganz andere Systemgefangene, die sich mit ihren Versuchen übernehmen, brutale Gewalten aufzuhalten, die ein Einzelner realistisch unmöglich aufhalten kann. Gibt´s Alternativen? Ich finde ja. Aufhören und weggehen. Was denn sonst.

Liebe Grüße, landauf und landab, vom Micha

Lieber Micha,

Du beschreibst in diesem Abschnitt die Crux der ganzen Thematik. Darf ich Dir dazu eine Frage stellen?

Wie kann ein (System) Gefangener aufhören und vor allem weggehen?

Gruss landauf :wink:
Hannes