Lieber Theophil,
genau das nicht! Ich werde dir anhand des gesprochen Wortes einen Eindruck geben, wie ich zu einer solchen Einschätzung komme. Der Stammapostel verwendet einige rhetorische Kniffe die ich nachzeichne und offenlegen möchte. Ich meinte ähnliches Vokabular und Argumentationsketten schon in zahlreichen anderen Predigten vernommen haben: auf der einen Seite WIR die NAK, dort die übrige Christenheit und dann gibt es noch einige NAK Christen, denen man --entschuldige mir bitte die Ausdrucksweise „in den ***** treten muss“.
Ich werde dir ausschließlich sprachlich nachweisen, dass diese frangwürdige Argumentationskette verwendet wurde. Ab Minute 45 spricht der Stammapostel über denn Jesus glauben. Dieser ist Dreh und Angelpunkt eines gläubigen Christen, Jesus Christus als Heiland und Erlöser zu bekennen.
Der Stammapostel benennt, dass viele Christen Weihnachten nur noch aus Tradition und ohne echtes Bekenntnis an Christus feiern und den Jesusglauben verloren haben.
Nach einer kurzen rhetorischen Pause, folgte die Vermutung dass auch einige in der NAK den Jesus glauben verloren haben.
Rhetorisch geschickt gemacht trennt er 3 Gruppen: die vielen Christen (erstgenannt, anonym und viele), einige NAK Christen (abgeschwächt und in unklarer Anzahl) und die Gruppe der Gläubigen (nicht genannt und wohl die eigentlichen Adressaten).
Was bleibt stehen: viele Christen sind vom Glauben abgefallen, da ist sich der Stammapostel eigentümlicherweise sicher. Bei der Anzahl der neuapostolischen Christen ist es sich wohl nicht mehr so sicher weil er sprachlich abmildert. Übrig bleibt die Gruppe der Gläubigen. Rhetorisch trennt der Stammapostel: Christ ist also nicht gleich NAK Christ.
Für mich bleibt, wie man bei uns im süddeutschen Raum sagt ein Geschmäckle übrig. Insgesamt halte ich es für fragwürdig solche pauschalen und stigmatisierenden Aussagen zu treffen. Einem geschwisterlichen ökumenischen Dialog ist dies nicht förderlich.
Zwingt sich mir die Frage auf: warum braucht es diese rhetorisch geschickt konstruierte Trennung? Geht es darum die Zuhörer*innen zu ermahnen und vor Gefahren zu warnen, wie du meintest, oder wird hier bewusst der Begriff der „Christen“ mit dem Glaubensabfall in Verbindung gebracht um zu spalten.
Unabhängig wie mann diese Frage beantwortet sollte ein Kirchenpräsident sich der Wirkung solcher manipulativer rhetorischen Kniffe bewusst sein.
Liebe NAK Funktionäre und lieber Stammapostel: lasst solche spaltende und abgrenzende Rhetorik. Diese kann nicht im ökumenischen Sinn sein. Ihr entlarvt euch, wenn ihr es notwendig habt euch von der übrigen Christenheit zu separieren und eure ökumenischen Geschwister zu stigmatisieren. Ich wünsche frohe Weihnachten und ein fröhliches und gesegnetes Christusfest.