Spiritualität im Alltag

Zum Anhören:

Das Mysterium findet auf dem Hauptbahnhof statt - Über Spiritualität im Alltag

:exclamation:

Danke.

:slight_smile: Lieben Freunde,
es überrascht mich stets von neuem, in dieser virtuellen Veranstaltung zum Nachdenken angeregt zu werden. In diesem Fall über den Begriff „Spiritualität im Alltag.“ Was ist das eigentlich?

Das wir ohne beständig zu atmen nicht überleben können ist klar. Die alten Griechen beschrieben Spiritualität mit Worten wie pneuma, nous und psyche. Da geht es also auch um Geist und Seele.

Das würde zutreffendenfalls bedeuten, dass ich mich an meinem irdischen Alltag ganzheitlich, also mit Leib, Seele und Geist auseinander zu setzen habe. Na klar hat mich meine Mutter in glücklicher Stunde empfangen, dann aber leider auch unter Schmerzen zur Welt gebacht. Man umschreibt diesen Vorgang auch als Entbindung.

Genau besehen ist das eine aller erste Ent-Scheidung, auf die ich keinen direkten Einfluss nehmen konnte. Dass dieser Vorgang meiner Mutter fürchterliche Schmerzen bereitet hat, das hat sie mir später selber erzählt. Von meinen eigenen Geburtsschmerzen konnte ich ihr, naturbedingt, leider nichts berichten. Aber je länger ich lebe, um so mehr frage ich mich: „Wer hat mir eigentlich bei meinem Menschwerden Mut gemacht, beim Hindurchdringen durch diesen engen Geburtskanal nicht auf halber Strecke stecken zu bleiben und stattdessen lieber zurückzukehren?“

Später hat man mir beigebracht, dass jedes vollendete menschliche Ich ursprünglich darauf zurückzuführen ist, wonach wir alle durch einen göttlichen Hauch beseelt, also ein Mensch mit lebendiger Seele, wurden und dass das Folgen hat.

Klar ist, dass ich mit meinem ersten selbstständigen Atemzug, berichte halber nach einem kräftigen Klaps auf meine Popo, meinen ersten Alltag begann und mit einem letzten Atemzug meinen letzten irdischen Alltag beenden werde. Was danach kommt, das bleibt vorerst abzuwarten…

Spiritualität in meinem Alltag muss demnach u. a. ganz viel damit zu tun haben, ob und wie ich atme, dadurch meine Körperzellen mit viel oder wenig Sauerstoff versorge, um meine Lebenskraft positiv oder negativ eigenverantwortlich zu beeinflussen.

Demnach hätte Spiritualität in meinem Alltag also auf den ersten Blick eher weniger mit nebulösen Rückbesinnungen auf einen göttlichen Schöpfungsakt zu tun als damit, dass ich täglich vernünftig atme und dabei meine Atmungsorgane nicht unnötig beschädige.

Nach diesem Exkurs frage ich mich natürlich auch: „Micha, warum hörst du nicht endlich mit dem Rauchen auf!“

Liebe Grüße, landauf und landab :wink:

Höchst erstaunlich finde ich die Tatsache, dass wir Menschen, über das wohl einschneidenste Erlebnis in unserem Leben, nie werden berichten können, nämlich über unseren eigenen Tod …

LG Adler

“Buen Camino”

Heinrich auf dem Jakobsweg

:wink:

:mrgreen:

Ist das jetzt makaber oder seherisch, dieser Beitrag von vor einem Jahr? Beim ersten Blick kam es mir so vor, als ob es ein aktueller Bericht vom Duisburger Bahnhof ist, von dieser Love Parade.

Adler -

erstens: Wieso ist der Tod das einschneidendste Erlebnis in unserem Leben? Ist die Geburt weniger bedeutsam?

Zweitens: Woher wissen Sie, dass Menschen - ich zitiere wörtlich - “nie … über unseren eigenen Tod” berichten können? Woher wissen Sie das? Sie leben doch noch. Also haben Sie keine Erfahrungen. Und wenn es eine Wirklichkeit jenseits des Todes gibt - wäre dort Kommunikation ausgeschlossen? Im Übrigen: Was heißt “unseren eigenen Tod”? Wieso sprechen Sie hier im Plural? Sterben Sie kollektiv?

Cemper

ohne jetzt Maximin generell widersprechen zu wollen, wenn er oben zur eigenen Geburt schrieb:
“Genau besehen ist das eine aller erste Ent-Scheidung, auf die ich keinen direkten Einfluss nehmen konnte.”

Rein biologisch betrachtet leitet das ungeborene Kind selbst seine Geburt ein (Wehen werden dann hormonell gesteuert ausgelöst)
es zieht quasi selbst die Glocke um dem weiblichen Körper mitzuteilen, dass es jetzt fertig ist und raus kann… :wink:


und Luther möchte uns trösten, indem er sagt, dass wir keine Angst vor dem Tod haben sollen:

“man soll sich seinen Tod wie die eigene Geburt vorstellen - durch einen engen beängstigenden Kanal,
danach wird es hell und weit - man ist geboren und man wird von liebenden Menschen empfangen” :wink:

Ob wir geborene Menschen auch die Glocke ziehen, wenn wir “fertig” sind ???

Manchmal kann man das so mit-erleben…

hmmm… woher wusste Luther das? Und warum sollte ich vor dem Unbekannten keine Angst haben?

Ich denke es ist legitim, dass wir Angst haben, wenn wir die Glocke ziehen, um Mutter’s gute Stube zu verlassen, wenn wir den ersten Schritt über die Schwelle unseres neuen Klassenzimmers machen, etc.. und auch wenn wir dann mal sterben werden.

Angst im normalen Mass ist ein gesunder Teil unseres Seins.

meint

centaurea

Luther wusste es - so gut so schlecht, wie wir.
Er nimmt ein Bild, das wir nachvollziehen können und versucht darin einen Trost
abzuleiten.
Von Wissen kann gar keine Rede sein.

Bei Goethes Wort “Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis”,
ist man oft versucht, Vergleiche herzustellen und für das Leben abzuleiten.
Wie weit wir mit den “Glaubensbildern” kommen zeigt uns die spirituell interssierte
aber “haltlose” Gesellschaft…

Herr, lehre doch mich, dass mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss…

Psalm 39,5